Zittern beim Essen, Schreiben oder Anziehen: Wer unter der Bewegungsstörung "essenzieller Tremor" leidet, muss mit einem unwillkürlichen Zittern leben. Verschiedene Muskelgruppen können dabei betroffen sein und alltägliche Aktivitäten zu großen Problemen werden lassen.
Aufregung, Stress oder Unsicherheit führen meist zu einer erheblichen Verstärkung des unwillkürlichen Zitterns und stellen für Betroffene eine besondere Herausforderung dar. "Für Patienten mit leicht bis mäßig stark ausgeprägtem essenziellen Tremor ist es daher sinnvoll, sich geeignete Kompensationsmaßnahmen anzueignen, um einer Zunahme des Zitterns bei Stress und Nervosität entgegenzuwirken. Sie können durch Anwendung von Entspannungstechniken, wie autogenem Training oder progressiver Muskelentspannung, lernen, diese sogenannten Tremorspitzen in einem gewissen Maße zu beeinflussen und zu verringern", sagte Prof. Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. "Solche Verfahren helfen Stress zu lösen. Werden sie gut beherrscht, können sie gezielt eingesetzt werden. Allerdings sind sie bei mittelschwer bis schwer ausgeprägtem Tremor nicht mehr ausreichend wirksam."
Hintergrund: Der essentielle Tremor beginnt oft schon in jungen Jahren und tritt familiär gehäuft auf. Das Zittern kann das Leben der Betroffenen sehr verändern, weil die unkontrollierten Bewegungen eine deutliche Behinderung im Alltag darstellen und auch die psychische Verfassung oft negativ beeinflussen. Eine Entwicklung von anderen Störungen des Nervensystems wie eine Demenz oder eine Parkinsonkrankheit muss nicht befürchtet werden.
Der essenzielle Tremor gehört zu den häufigsten Bewegungsstörungen. Das Auftreten in der Bevölkerung nimmt mit dem Alter zu und ist bei Männern und Frauen gleichermaßen vorhanden. Seltener sind auch Kinder betroffen. In Deutschland sind etwa zwei Prozent der Menschen unter 60 Jahren und mindestens fünf Prozent der über 65-Jährigen betroffen.
Der Begriff "essenziell" bedeutet, dass für die Beschwerden keine Ursache, wie beispielsweise eine andere Erkrankung oder Medikamentennebenwirkungen - ausgemacht werden kann. Bei einem essenziellen Tremor zittern die Patienten verstärkt, wenn sie eine bewusste Bewegung ausführen, also z.B. eine Kaffeetasse zum Mund führen. Man spricht dann auch von Aktionstremor. Vom Zittern können auch der Kopf oder die Stimme betroffen sein. "In der Regel verläuft die Erkrankung chronisch und schreitet langsam fort. Dabei kann es auch Perioden geben, in denen das Zittern unverändert bleibt", erklärte der Direktor der neurologischen Universitätsklinik Kiel. "Bei manchen Betroffenen verschlechtert sich das Krankheitsbild auch wenig, und der Tremor bleibt lebenslang nur mäßig ausgeprägt."
Quelle:
www.neurologen-im-netz.de